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 PCF-KMU | Fallbeispiele | Beispiel 4 Bier
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Kirner Pils schmeckt mit Kohlendioxid


Ermittlung eines Product Carbon Footprint für eine Flasche Bier

 

In Zusammenarbeit mit der Kirner Privatbrauerei soll der PCF für eine Flasche Bier ermittelt werden. Aus der Produktpalette der Brauerei wurde dazu das Produkt Pils in einer 0,5 Liter Flasche ausgewählt, da es sich dabei um das Hauptprodukt des Unternehmens handelt.


Mit dem Instrument des PCFs will das Unternehmen die im Lebenszyklus des Bieres anfallenden Treibhausgase bilanzieren und somit eine Möglichkeit zur ökologischen Bewertung hinsichtlich der Klimawirksamkeit des Produktes schaffen.


Lebenszyklusphasen

Die betrachteten Phasen im Produktlebenszyklus reichen „von der Wiege bis zur Bahre“ und umfassen die

•          Rohstoffgewinnung

•          Produktion

•          Distribution

•          Produktnutzung

•          Entsorgung.

Neben dem Ablauf der internen Brauereiprozesse werden auch externe Prozesse, z. B. der Getreide- und Hopfenanbau, die Mälzerei und die Transportwege, berücksichtigt.


Als Grundlage für die Ermittlung des PCFs dient der Entwurf der ISO 14067. Zur Berechnung und grafischen Darstellung wird die Software Umberto for Carbon Footprint genutzt.

 

Berechnung



Prozesslandkarte Kirner Pils (eigene Darstellung mit "Umberto for Carbon Footprint")


Für alle Phasen, die das Produkt auf seinem Lebensweg durchläuft, wurden die entstehenden THG-Emissionen bilanziert. In der Abbildung ist die Prozesslandkarte mit den fünf Phasen des Produktlebenszyklus (Rohmaterialien, Produktion, Distribution, Produktnutzung und Entsorgung) dargestellt.

Die Berechnung beinhaltet die Rohmaterialienbereitstellung und deren Transport in die Brauerei sowie die Herstellung des Pilses. Zudem sind die Distribution zum Einzelhandel, die Nutzungsphase (Einkaufsfahrt), sowie die Entsorgung bzw. das Recycling enthalten.

Während des Brauprozesses entsteht im Läuterbottich das Kuppelprodukt Treber, das in der Landwirtschaft als Futtermittel Verwendung findet. Da es sich hierbei um ein verkaufsfähiges Produkt handelt, wird dem  Treber ein Teil der bis zum Läuterbottich entstandenen THG-Emissionen zugeordnet. Diese Allokation der THG-Emissionen zum Treber erfolgt dabei über die physikalische Größe der Masse.



Ergebnisse



Aufteilung der Treibhausgasemissionen auf die Phasen des Produktzyklus


Insgesamt entstehen in den fünf Phasen de Produktlebensweges einer 0,5 l Glas-Mehrwegflasche Kirner Pils Treibhausgasemissionen von 230 g CO2e. Davon werden dem Treber 12,1 g CO2e zugeordnet.

Das untersuchte Produkt verursacht also auf seinem Lebensweg 217,9 g CO2e.


Die meisten THG-Emissionen (80,5 g CO2e) entstehen in der Phase der Rohmaterialien. Dabei entfällt der höchste Anteil der THG-Freisetzung auf den Anbau und das Mälzen der Gerste. Auf die Reduzierung dieser Emissionen kann die Kirner Brauerei keinen direkten Einfluss nehmen.


Der zweithöchste Wert in der  PCF-Erhebung wurde für die Nutzungsphase (Einkaufsfahrt, 78,9 g CO2e) errechnet. Dieser Wert ist abhängig vom Einkaufsverhalten des jeweiligen Verbrauchers. In der Untersuchung  wurde angenommen, dass die Einkaufsfahrt über eine Strecke von 10 km (5 km hin und 5 km zurück) erfolgt  und der Kunde nur eine Kiste Kirner Pils kauft.  Der Verbraucher kann also den PCF des Bieres verringern, indem er den Getränkeeinkauf  mit anderen Einkäufen verbindet oder mehr als eine Kiste Bier kauft und transportiert.


Durch die Herstellung des Kirner Pils selbst entstanden in der Brauerei aufgrund des Einsatzes von Strom und fossiler Energieträger 59,5 g CO2e. Auf diesen Wert kann die Kirner Brauerei direkten Einfluss nehmen, beispielsweise durch Abwärmenutzung oder Umstellung der Wärmegewinnung auf andere Energieträger.


Die Distribution (5,8 g CO2e) und die Entsorgung (5,3 g CO2e) fallen bei der Bilanzierung nicht so stark ins Gewicht.


Nutzung der Ergebnisse

Der PCF kann dazu verwendet werden, Einsparpotenziale für Energie im Produktlebenszyklus aufzudecken. Zudem kann die Klimawirksamkeit des untersuchten Produkts und seiner Rohmaterialien beurteilt werden.

Die Nachhaltigkeit des Produktes und seiner Produktion lässt sich nach Umsetzung entsprechender Maßnahmen verbessern. Die Ergebnisse eignen sich auch für Marketingzwecke. Beispielsweise kann ein Label auf dem Produkt auf die Untersuchung der mit dem Produkt verbundenen THG-Emissionen hinweisen.



Informationen

Björn Helsper

Tel: 06721/98 42 413

Helsper[at]tsb-energie.de

Dipl.–Ing. (FH) Simone Walg

Tel: 06721/98 42 413


 
 
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